Kirmes in Vussem

presented by KV Vussem 1977 e.V.

Heute1375
Gestern2198
Diese Woche10832
Diesen Monat43987
Gesamt2383261

KIRMESHISTORIE

Die Kirmes hat eine lange Tradition. Der Begriff leitet sich ursprünglich von "Kirchmess" bzw. "Kirchweihfest" ab. An diesem Tag gedachte man vor Jahrhunderten der Einweihung der jeweiligen Dorfkirche. Wahrscheinlich hat sich die Bezeichnung -Kirmes- schon im Mittelalter daraus entwickelt. Spätestens im zwölften Jahrhundert hat sich parallel zum Kirchenfest auch eine weltliche Veranstaltung gebildet. Warenhändler boten, wie auf den sonst raren Jahr(es)märkten ihre Waren feil, die ansonsten in der Gegend nicht zu kaufen waren, Artisten zeigten ihre Künste und der eine oder andere stellte sich oder andere oder etwas -zur Schau-.

Kirmes auf dem Lande
Kirmestage waren arbeitsfreie Tage, die Bauern bestellten ihre Felder nicht und der Arbeiter erschien nicht in der Fabrik. Man sicherte sich so das Gewohnheitsrecht auf einige Urlaubstage, welches es gesetzlich noch gar nicht gab. Die Verwandtschaft sagte sich an, das bedeutete für die Frauen putzen und vorkochen. Im achtzehnten Jahrhundert war es sogar üblich, ganze Häuserfassaden zu streichen. Es wurde viel gegessen und getrunken. Auf dem Lande bot die Kirmes meist die einzige Gelegenheit zum Tanz. Getanzt wurde auf dem Dorfplatz, ab dem 19. Jahrhundert auch im Saal. Die Kirmes war für junge heiratswillige Menschen auch meist die einzige Gelegenheit adäquate Partner kennen zu lernen. Die Kirmestage dienten zur Entspannung, Familienzusammengehörigkeit und Heimatsinn wurden gepflegt.

Kritisches zur Kirmes, dem Pfarrbrief St. Margareta Vussem - Breitenbenden (Ausgabe 5/80) entnommen:

"Kirmes in Vussem

Das Wort "Kirmes" ist entstanden aus der älteren Bezeichnung "Kirchmes" und bedeutet nichts anderes als "Kirchweih"-Fest. Daher wird die Kirmes auf natürliche Weise an dem Fest des Heiligen gefeiert, dem die Pfarrkirche geweiht ist. Kirmes ist also in seiner Begründung ein rein kirchliches Fest. Es ist ein Freuden- und Dankfest für die ganze Pfarrgemeinde. Daher wäre es folgerichtig, wenn in unserer Gemeinde - also Vussem und Breitenbenden - Kirmes nach dem Fest der hl. Margaretha gefeiert würde. Unser jetziger Kirmestermin liegt im Fest des hl. Lambertus begründet (18. Sept.), weil nämlich früher Vussem und Breitenbenden zur Pfarrkirche St. Lambertus in Holzheim gehörten. Mit der Loslösung von Vussem und Breitenbenden von Holzheim und der Neugründung unserer Pfarre St. Margareta ist eigentlich unser jetziger Kirmestermin überholt. Aber dieser Hintergrund ist den meisten, die ausgiebig Kirmes feiern, völlig unbekannt. Leider hat sich die Kirmes heute so weit verweltlicht, daß sie ohne diesen kirchlichen Hintergrund ein Eigenleben führt. Wo früher aus der Kirche die Fahne hing, wo der Wirt in das Speicherfenster den Besen steckte, um anzuzeigen, daß reichlich Bier und Wein vorhanden war, da wird heute mit einem Wust an Drumherum und mit dem Lärm des Karussells das Fest ohrenbetäubend beschrien. Früher kam zu diesem Festtage die entfernte Verwandtschaft ins Dorf und wurde entsprechend bewirtet. Heute trifft man sich auf dem Kirmesplatz oder in der Wirtschaft und das Fest wird zum Konsum von viel Musik, von viel Cola, viel Alkohol und Nikotin, so daß es für manche zu einer körperlichen Strapaze wird. Man mag sagen, was man will, aber dann findet das eigentliche Fest nicht mehr statt, mag es auch noch so hoch hergehen. Nicht daß gefeiert wird ist bedauernswert, sondern daß bei fast allen Feiern der Sinn verlorengegangen ist, gibt zu denken."

 

 

Hahnenköppen

Eine der bekanntesten Kirmesbräuche der Eifel ist das "Hahnenköppen". Es wird ein Seil zwischen zwei Bäumen gehängt und daran ein Korb ohne Boden befestigt. Ein toter Hahn wird in dem Korb so aufgehängt, daß nur der Kopf herausschaut. Mit verbundenen Augen versucht dann jeder, mit einem Säbel dem Hahn den Kopf abzuschlagen. Wem das gelingt, der ist Hahnenkönig. Um die Kanditaten zu verwirren, werden sie zuvor mehrmals im Kreis gedreht und dann in die Nähe des Korbes geführt. Zudem besteht noch die Möglichkeit, die Korbhöhe durch Ziehen des Seiles zu verändern. Ist der Hahnenkönig ermittelt, erwählt er sich seine Königin. Anschließend wird das Hahnenkönigspaar mit Musikbegleitung durch den Ort geführt. Am Abend trifft sich dann die Kirmesgesellschaft zum Hahnenkönigsball.

Im Regierungsbezirk Köln ist das Hahnenköppen als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wonach kein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf, verboten.

Über den Ursprung des "Hahnenköppens" herrschten verschiedene Auffassungen. So schreibt zum Beispiel N. Henrichs in seinem Buch "Kult und Brauchtum im Kirchenjahr":

"Je nach Jahreszeit haben sich . . . Erntedankriten mit der Kirchweih verbunden. Hierher gehört das sogenannte Hahnenschlagen (Hahnenköpfen). Am Ende der Ernte wird der Wachstumsgeist, der alt geworden und daher mancherorts als alter Mann vorgestellt wird, und der deshalb seine dahinsiechende Kraft nicht dem Boden mitteilen soll, eingefangen und getötet. Das geschieht nicht selten in der Gestalt eines Hahnes, der dann anschließend auch verzehrt wird, um die Segenskraft des Wachstumsgeistes anzuzeigen." Hingegen stand in der RZ Nr. 181 vom 8./9. August 1987 unter Überschrift "Mit Gallischem Hahn symbolisch abgerechnet": "Das auch heute noch gepflegte `Hahnenköppen` stammt aus der Zeit der französischen Besatzung . . . Besatzungsmächte, damals wie heute, erfreuten sich beim unterdrückten Volk noch nie großer Beliebtheit. Doch trotz Gehorsam und Unterwürfigkeit nach außen hin fanden die frustrierten Bürger untereinander stets Mittel und Wege, ihrem Unmut über die `Besatzer` Ausdruck zu verleihen. So riefen die Bürger von Oberwinter im 18. und 19. Jahrhundert das `Hahnenköppen` ins Leben, um die französischen Militärs, die zu dieser Zeit die Rheinlande beherrschten, zu verärgern, ohne daß diese etwas dagegen unternehmen konnten. Denn symbolisch wurde bei dieser Prozedur der Gallische Hahn, jenes nationale Federvieh, malträtiert." 75) 119) 120)